BIL schlägt neues Kapitel auf Die Luxemburger Bank bekommt Großinvestor aus China

2017-09-02

From:Luxemburger Wort

Luxemburg. Am Freitagnachmittag wurde offiziell verkündet, was be- reits seit Tagen in der Luft lag. Der katarische Hauptaktionär der Ban- que Internationale à Luxembourg verkauft seine 90 Prozent Beteili- gung an die chinesische Holding- gesellschaft Legend Holdings Cor- poration. Precision Capital hatte die BIL gemeinsam mit dem Lu- xemburger Staat 2012 übernom- men, nachdem die Bank durch die Finanzkrise in Schieflage geraten war.

Heute, fünf Jahre später, steht die Bank wieder auf soliden Bei- nen und konnte ihre Betriebser- träge in diesem Zeitraum um 20 Prozent erhöhen. Daher möchte der neue Aktionär diese positive Entwicklung weiter fördern und der Bank helfen, auch auf inter- nationalem Parkett zu bestehen.

Für Precision Capital sei der richtige Zeitpunkt gekommen, die Bank an einen langfristigen und strategischen Investor weiterzu- geben, erklärte George Nasra, Ge- schäftsführer von Precision Capi- tal in einer Pressekonferenz am Freitag. Für Mitarbeiter und Ge- schäftsleitung ändert sich durch den Eigentümerwechsel nichts. Sowohl Verwaltungsratschef Luc Frieden als auch Geschäftsführer Hugues Delcourt bleiben im Amt. Außerdem versicherte Legend Holdings der Bank, in den kommenden drei Jahren keine Mitar- beiter zu entlassen. Ganz im Gegenteil plant die chinesische Ge- sellschaft, die weltweit knapp 70 000 Mitarbeiter    beschäftigt, weiter in die Luxemburger Bank zu investieren.

Wie Finanzminister Gramegna am Freitag ebenfalls verkündete bleibt der Luxemburger Staat wei terhin Aktionär der BIL mit einer rund zehnprozentigen Beteili- gung. Somit setzt man bei der BIL weiter auf Kontinuität.

Auch in Zukunft geht bei der BIL alles seinen gewohnten Gang. Der neue Investor Legend Holdings setzt auf Kontinuität.

Legend Holdings greift nach der BIL

Die chinesische Investitionsgruppe Legend Holdings kauft für 1,48 Milliarden Euro 90 Prozent der Anteile der BIL

Seit dem frühen Freitagnachmittag ist es offiziell: Precision Capital, der Hauptaktionär der Banque Interna- tionale à Luxembourg (BIL), verkauft seine Anteile an die chinesische In- vestmentfirma Legend Holdings Corporation.

Legend Holdings, eine der wich- tigsten Holdinggesellschaften Chi- nas, ist vergangenen Oktober an Precision Capital herangetreten, um über einen möglichen Verkauf der Bank zu verhandeln. „Wir ha- ben die Bank nie zum Kauf ange- boten“, unterstrich George Nasra, CEO von Precision Capital, bei der Pressekonferenz am Freitagnach- mittag. Für die Investoren aus Ka- tar sei aber nun der richtige Au- genblick gekommen, um ihre An- teile an einen langfristigen und strategischen Investor weiterzu- geben.

„Wir übernahmen die Bank, ge- meinsam mit dem Luxemburger Staat, 2012, als die Bank durch die internationale Finanzkrise in Schwierigkeiten geraten war. Nun hat sich die Situation der BIL in den vergangenen fünf Jahren grundlegend verbessert und wir waren der Meinung, alles in un- serer Macht Stehende für die Bank getan zu haben“, erklärt George Nasra.

Tatsächlich konnte die Bank ihre Geschäftserträge in den Jah- ren von 2012 bis 2016 um 20 Pro- zent auf 505 Millionen Euro er- höhen. Gleichzeitig stieg der Be- triebsgewinn um 57 Prozent auf 124 Millionen Euro. Das Gesamt- vermögen wuchs im gleichen Zeitraum auf 23 Milliarden Euro. Die Gesamtkredite für Kunden stiegen um 27 Prozent auf 12,2 Milliarden Euro. Auch das ver- waltete Vermögen ist um 30 Pro- zent auf 37,7 Milliarden Euro ge- wachsen.

„Die BIL ist und bleibt eine Luxemburgische Bank” - Luc Frieden

„Die geschäftliche Stabilität, der Vermögensumfang und das Wachstumspotenzial der BIL im Hinblick auf ihren Umsatz und Gewinn erfüllen Legends Investi- tionskriterien“, so Liu Chuanzi, Gründer und Vorstandsvorsitzen- der von Legend Holdings, in einer

Pressemitteilung. Nicht zuletzt deshalb war die Luxemburger Bank dem neuen Aktionär ganze 1,48 Milliarden Euro wert. 2012 zahlte Precision Capital noch le- diglich 657 Millionen Euro für die Bank. Bei Legend Holdings wolle man nun weiter in die Bank in- vestieren und sie zu einer inter- nationalen Bankenmarke mit Sitz in Luxemburg ausbauen.

Der Geschäftsführer der BIL, Hugues Delcourt, begrüßte die langfristige Sicht der neuen Akti- onäre. „Auch wenn es keinen Stra- tegiewechsel geben wird, eröffnet uns diese Übernahme neue Mög- lichkeiten, in die Bank zu inves- tieren.“

Für die Kunden und Mitarbei- ter der Bank ändere sich aber nichts, versicherte der Verwal- tungsratsvorsitzende der Bank, Luc Frieden (der ebenfalls Ver- waltungsratsvorsitzender von Saint-Paul ist). Die Bank bleibe weiterhin unabhängig, und in den kommenden drei Jahren werde niemand entlassen, so Frieden. Im Gegenteil, die Bank stelle jedes Jahr im Schnitt 150 neue Mitar- beiter ein.

Die Bankengewerkschaft Aleba ließ später verlauten, dass man dort die Einhaltung dieser Ver- sprechen sowie des nationalen Ar- beitsrechtes genauestens überwa- chen werde.

Bei Legend Holdings sei man überzeugt von der Strategie der aktuellen Geschäftsführung, und deshalb bleibe diese auch weiter so bestehen, erklärte Peng Li, Se- nior Vice-President der Legend Holdings. Demnach wurden so- wohl Luc Frieden als Verwal- tungsratsvorsitzender und Hugues Delcourt als Geschäftsführer der Bank bestätigt.

Luc Frieden unterstrich außer- dem, dass die BIL eine Luxem- burger Bank sei und das auch blei- be. Der Fokus der Bank soll auf dem Großherzogtum bleiben. In diesem Punkt sei man sich mit Legend Holdings einig gewesen, so Frieden.

George Nasra wies außerdem darauf hin, dass die Investition von Precision Capital in KBL Euro- pean Private Bankers nicht von der Vereinbarung mit Legend Hol- dings betroffen sei.

Gramegna: „Gut für die Bank, gut für das Land“

Um 14 Uhr hatte der Finanzmi- nister den parlamentarischen Fi- nanzausschuss über die neuesten Entwicklungen ins Bild gesetzt. Pierre Gramegna betonte vor al- lem den Willen der Regierung, ei- ne Minderheitsbeteiligung an der BIL zu behalten. Es sei „gut für das Land und für die Bank“, sagte Gramegna anschließend vor der Presse.

Damit soll auch die „Stabilität“ der Bank und des luxemburgi- schen Finanzplatzes gewährleistet sein. Die Beteiligung sei aber auch ein wichtiger Schritt gegenüber den Kunden sowie den 2 000 Mitarbeitern der Bank. Die Holding habe der Regierung versichert, dass es in den nächsten drei Jah- ren zu keinem Sozialplan inner- halb der Bank kommen werde.

Die Bank werde auch weiterhin ihren Hauptsitz in Luxemburg be- halten, versicherte Pierre Gra- megna. Zudem habe die Regie- rung eine „dritte finanzielle Ga- rantie“ bekommen: „In drei Jahren haben wir die Möglichkeit, unse- ren Anteil von zehn Prozent zum gleichen Preis zu verkaufen wie der, den wir derzeit vom chinesi- schen Investor angeboten bekom- men haben. Konkret handelt es sich um etwas mehr als 160 Milli- onen Euro“. Vor fünf Jahren hatte der Luxemburger Staat seinen An- teil von zehn Prozent zu einem Preis    von    73    Milli onen    Euro    ge- kauft.

Auf die Frage, warum sich Pre- cision Capital überhaupt als Akti- onär aus der BIL zurückzieht, ant- wortete der Finanzminister: „Der Investor sah jetzt die Gelegenheit, um einen großen Gewinn zu er- zielen. Die Banken sind heute ins- gesamt besser bewertet als vor ei- nigen Jahren, da die Folgen der Fi- nanzkrise weitgehend überwun- den sind. Die Geldhäuser zeigen sich heutzutage stabil, und dies er- klärt auch, warum die BIL derzeit besser bewertet ist als früher. Demzufolge war es für den In- vestor ein guter Zeitpunkt, um sei- nen Anteil zu verkaufen.“

Die geplante Transaktion un- terliegt unter anderem der Zu- stimmung der Europäischen Zen- tralbank und der luxembur- gischen Finanzaufsichtsbehörde CSSF. Außerdem müssen die Ak- tionäre von Legend Holdings der Entscheidung zustimmen. So- mit wird der Verkauf voraus- sichtlich im ersten Quartal 2018 endgültig abgeschlossen.

Legend Holdings

Die Legend Holdings Corporation ist eine chinesische Holdingsgesell- schaft mit Unternehmensbeteili- gungen in China und der ganzen Welt. Die Gesellschaft wurde 1984 von Liu Chuanzhi und zehn weite- ren Forschern gegründet. Die Fi- nanzierung stammte vom Compu- ting Institute der Chinesischen Akademie der Wissenschaften. Zu Beginn beteiligte sich Legend Hol- dings ausschließlich in der IT- Industrie. Sie ist beispielsweise Ei- gentümer des Computerherstellers Lenovo Group. Im Laufe der ver- gangenen drei Jahrzehnte entwi- ckelte sich Legend Holdings zu ei- ner der führenden Investmentgrup- pen Chinas mit diversifiziertem An- lageportfolio. Über ihre Tochterge- sellschaften ist Legend Holdings heute unter anderem in den Berei- chen Immobilien, Finanzdienstleis- tungen und Landwirtschaft tätig. Zukünftig möchte die Gruppe ihre Bandbreite weiter ausbauen und sich auf Finanzdienstleistungsun- ternehmen im Ausland konzentrie- ren. 2015 ging das Unternehmen schließlich in Hongkong an die Börse. Ende 2016 lag der Umsatz der Gruppe bei rund 40 Milliarden Euro.

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